 |
Der Stonehenge - Kalender *
* Auszug aus dem 1996 im Eigenverlag erschienenen Aufsatz "Und Sie Dreht Sich Doch Um Sothis"
Da Stonehenge ein Beobachtungsort für Sonnenwenden war, muß folglich die gesamte Anordnung und Anzahl von Steinen mit einem Kalender etwas zutun haben.
Hinweis: Für alle im folgenden Text vorkommenen Abbildungen, klicken Sie bitte hier auf dieses PDF-Dokument. Sie können es sich herunterladen, speichern und/oder abdrucken.
Beim Stonehenge-Kalender, der zumindest so alt wie der Maya-Kalender ist, wurden statt Zahnräder Steinkreise, bestehend aus unterschiedlichen Formen und Größen, verwendet. Auch dort wurden, wie bei den Mayas, Zahlenkombinationen benutzt. Die 365 Tage im Jahr zählte man in Monaten zu je 30 Tage plus 5 Tage. Als Ersatz für das 20er Zwischenrad der Maya benutzte man in Stonehenge einen Kreis mit 40 Blausteinen. Das 13er Rad der Maya ersetzte ein innerer Halbkreis von 19 Blausteinen. Bei den Mayas dauert ein Zyklus 52 Jahre, in Stonehenge dagegen 152 Jahre.
Heute wird von niemandem in Frage gestellt, daß der Maya-Kalender als Chronometer diente. Dies gilt aber nicht für Stonehenge. Zuviel wurde dort in Jahrtausenden umgebaut, hinzugefügt oder weggenommen. Den Archäologen gelang es schließlich doch wie in einem Puzzel den Urzustand zu rekonstruieren.
Uns interessieren dabei, um den Kalender zu verstehen, nur 3 Steinkreise, und zwar der äußere mit seinen 30 gewaltigen Sandsteinsäulen und seinen Trägern, der mittlere mit seinen 40 Blausteinen und der U-förmige innere mit seinen 19 Blausteinen (s. Abb. 12). Auf den ersten Blick gesehen und verglichen mit den Zahnrädern der Maya ist von einem Kalender bzw. Chronometer nichts zu erkennen. Da sämtliche Steine und Steinblöcke fest verankert sind, könnte man hier von einem statischen Chronometer ausgehen. Hätte man den äußeren Steinkreis mit 365 Steinen versehen, wäre er viel zu groß geworden, und die Harmonie der Kreise wäre dabei verloren gegangen. Durch diese statische Anordnung brauchten nicht wie bei den Maya gewaltige Steinzahnräder jeden Tag bewegt werden, sondern nur 3 Markierungen gleichzeitig versetzt werden.
Starten wir also in Gedanken wie zuvor beim Maya-Kalender am 1. Januar. Für den äußeren Steinkreis haben wir das Startzeichen "x", für den mittleren "y" und für den inneren "z" gewählt. Zugleich im Uhrzeigersinn versetzen wir Tag für Tag die 3 Markierungen weiter. Beim inneren Kreis, dem 19er, am Ende angekommen, wird bei "z" wieder begonnen. Nach 30 Tagen (ein Monat) hat die äußere Markierung die obere Position erreicht. Die mittlere Markierung steht auf Ziffer "6" und die innere auf dem elften Stein. Einen Monat weiter hat die äußere Markierung wieder die obige Position erreicht. Die mittlere steht auf Ziffer "4" und die innere auf Stein 3 (s. Abb. 13). Im dritten Monat ist die äußere Markierung oben, die mittlere auf Ziffer "2", die innere auf Stein 14. Hierzu ist zu erwähnen, daß die Markierungen im inneren U-Kreis zwar täglich mit versetzt werden müssen, aber als Anzeige vorerst keine Bedeutung haben. Die Wichtigkeit des Kreises wird sich aber noch herausstellen. Nach 4 Monaten stimmen obere und mittlere Markierung überein. Dabei haben wir festgstellt, daß im mittleren Kreis die Markierung monatlich um 10 Steine = ein Viertel des Kreises rückläufig gewandert ist und im 4. Monat auf Ziffer "8" gelandet ist (s. Abb. 14).
Nun sind wir in der Lage, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Dieser Kalender wäre für die Maya nicht brauchbar, warum nicht? In Stonehenge am 51. Breitengrad haben wir echte vier Jahreszeiten, sodaß wenn drei mal im Jahr beide Markierungen übereinander stehen, eindeutig erkannt wird, um welche Jahreszeit es sich handelt und das Jahr zu Ende ist. In Yucatán und in Guatemala bei den Maya, wo es keinen Winter gibt, sind die Jahreszeiten nicht so gut zu unterscheiden. Noch eins, hätten die Erbauer von Stonehenge statt den 40 Blausteinen 20 genommen, dann wäre die Übereinstimmung der beiden Markierungen statt dreimal im Jahr sechsmal gewesen. In diesem Fall reichen die vier Jahreszeiten zum Unterscheiden auch nicht mehr aus. So aber haben wir je eine Übereinstimmung der beiden Markierungen Ende April, Ende August und Ende Dezember.
Am 26. Dezember also, wenn die letzte Übereinstimmung der oberen und mittleren Markierung das Ende des Jahres einleitet, halten wir die obere Markierung des 30er Steinkreises für 5 Tage an. Nun werden für die letzten 5 Tage des Jahres nur die mittlere und die innere Markierung weiter versetzt. Solche Art von Kalender mit 12 Monaten zu je 30 Tagen, sowie 5 extra Tage, oft mit religiösen Festen verbunden, waren früher nicht ungewöhnlich. Am 31. Dezember haben unsere Markierungen dann folgende Positionen eingenommen (s. Abb. 15). Die obere steht dort, wo wir sie angehalten haben, die mittlere auf Ziffer "1" und die innere auf dem vierten Stein. Bevor wir nun das neue Jahr starten, müssen wir eine zusätzliche Markierung (in der Abb. 15 rot dargestellt) an Ziffer "1" anbringen. Diese bleibt dort als Startmarkierung für das zweite Jahr stehen. Am 1. Januar starten wir wieder mit allen 3 Markierungen gleichzeitig. Am 26. Dezember halten wir die obere Markierung wieder an und verfahren wie im Jahr zuvor. Am Ende des zweiten Jahres, am 31. Dez., versetzen wir die zusätzliche rote Markierung an Ziffer "2" des mittleren Steinkreises. Diese bleibt dann auch wieder bis Ende des nächsten Jahres stehen und erinnert uns gleichzeitig daran, daß seit dem Start des Kalenders 2 Jahre vergangen sind (s. Abb. 16). Nach Ablauf des 4. Jahres ergeben sich folgende Positionen (s. Abb. 17): Wie immer wurde nach 360 Tagen die Markierung am äußeren Steinkreis in der oberen Position festgehalten. Im mittleren Steinkreis stehen wie zu erwarten die grüne Markierung auf Ziffer "4" und die rote an Ziffer "4". Im inneren Steinkreis ist die Markierung wie in jedem Jahr um 4 Steine weiter gerückt. Da dieser Kalender auch den 4jährigen Schaltzyklus berücksichtigt, machen wir es in diesem Jahr wie zuvor beim Maya-Kalender und halten die 3 Markierungen einen Tag an. Das Gleiche gilt selbstverständlich auch, wenn die Markierung im mittleren Kreis nach weiteren vier Jahren Ziffer "8" erreicht hat. Die erste Übereinstimmung des inneren und des äußeren Kreises geschieht nach 19 Jahren. Schauen wir uns dazu die Positionen bei Abb. 18 an. Dabei ist zu erkennen, daß es die ersten 19 Jahre seit dem Start sind, also 2 Umläufe des mittleren Steinkreises zu je 8 Jahren plus die markierten 3 Jahre. Alle weiteren vollen 19 Jahre sind auf dem mittleren Steinkreis mit den Ziffern "1 bis 8" leicht zu ermitteln. Der Code dazu in der Reihenfolge ist: 3 - 6 - 1 - 4 - 7 - 2 - 5 - 8. Die Ziffer "3" gehört zum ersten 19er Zyklus, die "6" zum zweiten, also 38 Jahre, die "1" zum dritten, also 57 Jahre usw. bis nach 152 Jahren am Ende des 19er Zyklus die "8" übrig bleibt (s. Abb. 19). Nun haben wir zum ersten Mal alle 3 Markierungen der 3 Steinkreise in Übereinstimmung. Der erste Stonehenge-Zyklus ist also durchgelaufen und das einmalige dabei war, nie gab es eine Wiederholung.
Es war aber sicherlich nicht einfach, diesen Kalender zu führen. Ständig mußte darauf geachtet werden, daß die 4 Markierungen korrekt gehandhabt wurden und der Kalenderstand mit den Jahreszeiten sowie der Tag- und Nachtgleiche übereinstimmte.
Zu Beginn hatte ich erwähnt, daß man in Stonehenge auch mit 17 Steinen im inneren U-förmigen Kreis experimentiert hatte. Mit der Zahl 17 ergibt sich ein Zyklus von 136 Jahren, also recht nahe an der "magischen Zahl" 128. Der große Nachteil aber mit 17 Steinen ergibt sich beim Zählen der Jahre. Erinnern wir uns, beim 13er Rad der Maya wurden die Jahre Zahn für Zahn von 1 - 13 mitgezählt, denn teilen wir die 365 Tage im Jahr durch 13 bleibt ein Rest von einem Tag, ideal also für die zusätzliche Zählung der Jahre. In Stonehenge sprang die Markierung an den 19 Blausteinen in jedem Jahr um vier Steine weiter, was noch eine Kontrolle erlaubte. Bei 17 Steinen wären es aber jedes Jahr 8 Steine an denen die Markierung weiterrückt, also eine schlechte Kontrolle.
Die "Steinzeit-Menschen" müssen neben den astronomischen auch gute mathematische Kenntnisse besessen haben, daß sie all diese wichtigen Entscheidungen in Erwägung gezogen haben. Der Zyklus 152 war also ein recht guter Kompromiß.
Zusammenfassend kann man sagen, daß die Sumer bereits den perfekten Kalender besaßen, den wir heute noch benutzen. Dieser perfekte Kalender wäre aber ohne den 4jährigen, sowie den 128jährigen Schaltzyklus gar nichts wert, also zum kontinuierlichen Zählen der Tage und Jahre vollkommen ungeeignet. Mit anderen Worten, unser tropisches Jahr mit seiner Länge von 365,24219878 Tagen erfordert nur diesen Kalender, der einen nicht ganz ¼ Tag in 4 Jahren zu einem nicht ganzen Tag anwachsen läßt. Weil aber ein ganzer Tag geschaltet wurde, ergibt die zuviel geschaltete Zeitdifferenz wieder einen Tag in 128,18623 Jahren. Es gibt also keine Alternative zu diesem Kalender. Um solch einen genauen Kalender aber zu führen, ist ein Zählsystem mit den Faktoren von 13, 19, 20, 30, 40 und 365, wie sie bei den Maya und in Stonehenge verwendet wurden, unerläßlich. An eines hatten die Erbauer des Stonehenge-Kalenders nicht gedacht, daß die Hochkultur der Sumer bereits im Verfall war und somit auch der 152jährige Zyklus in Vergessenheit geriet. Das astronomische und das mathematische Wissen verschwand, sodaß niemand mehr die wahre Bedeutung des Kalenders verstand und somit die Umbau-Experimente begannen. Heute ist man davon überzeugt, daß Stonehenge ein Observatorium war und mit den 19 Blausteinen z. B. der 18,6jährige Mondzyklus für die Voraussage von Sonnenfinsternissen ermittelt werden sollte. Wie kann man mit 19 Steinen einen exakten 18.6134 jährigen Zyklus verfolgen und was nutzten auch die Kenntnisse über die Finsternisse, die sowieso immer an anderen Orten der Erde auftreten?
Die dort exakt ausgewiesene Achse in Richtung Sommersonnenwende, die für die Kalenderführung unerläßlich ist, sollte doch ein wichtiges Indiz für den Stonehenge-Kalender sein. Nicht nur in Stonehenge und bei den Maya wurde durch genaue Beobachtung der Tag- und Nachtgleiche sowie der Winter- und Sommersonnenwende die Jahreslänge kontrolliert, sondern auch beim zweiten "Stonehenge" in Sarmizegetusa, im heutigen Rumänien, und in Peru in Machu Picchu. Es ging also immer darum, diesen einen wichtigen Tag, der sich in 128,18 Jahren ansammelt, nicht zu verpassen. In Sarmizegetusa wurden dazu die gleichen Kombinationen wie bei den Maya verwendet, die 13, die 52 und statt der 20 die 10. In Machu Picchu in 3000 m Höhe war das Fixieren der Winter- und Sommersonnenwende an den vielen Bergspitzen einfacher und genauer, sodaß es wahrscheinlich genügte, die Tage und Monate gesondert zu ermitteln und nur jedes abgelaufene Jahr zu zählen. Die heute noch in einer Anlage vorhandenen 6 Steinpflöcke und die 7 Blindfenster, sowie die zweimal 5 Blindfenster der beiden Seiten dieser U-förmigen Anlage, ergeben zusammen 130 (6 + 7 × 10 Fenster), so wie bei der Maya-Pyramide (2½ × 52 Fenster). Von jedem Ort der Erde, von dem man die Winter- und Sommersonnenwende beobachtet, kann man nur alle 128,18 Jahre den größten Auslenkungswinkel der Sonne am 21. Juni und 21. Dezember bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang erreichen. Dies läßt erkennen, wie äußerst wichtig die Kontrolle des 128jährigen Zyklus ist.
Es ist nicht fair von den Altertumsforschern, die Pioniere der Vorzeit gelegentlich als Trottel hinzustellen. Immer wieder ist festzustellen, daß deren hohe wissenschaftliche Leistungen in Mathematik und Astronomie verniedlicht oder ignoriert werden. Ja, man ist ständig darauf hinaus, nur heidnische und religiöse Motive in primitiver Form aus ihren kulturellen Hinterlassenschaften zu entnehmen. Man sollte nicht vergessen, daß die Kenntnisse unserer heutigen technischen Zivilisation, sei es in Astronomie, Mathematik, Geometrie und Schrift, auf deren Fundamente aufgebaut sind. Bis so ein Kalender gebrauchsfertig war, mußte jahrhundertelang der Sternenhimmel, sowie der Lauf der Planeten, beobachtet werden. Das setzte aber voraus, daß man die Astronomie, die Mathematik und die Geometrie perfekt beherrschte.
Mit der Entdeckung Amerikas erfuhr die westliche Welt zum ersten Mal von den hochentwickelten Kulturen Mesoamerikas. Aus heutiger Sicht ist uns das Ausmaß an Zerstörung, Dreistigkeit und Arroganz, daß die Eroberer, angefangen mit Cortez und seinen nachfolgenden Horden an den Tag gelegt haben, erst richtig bewußt geworden. Ausgehend vom tiefsten Mittelalter mit einem geozentrischen Weltbild und einem fehlerhaften Kalender von über 10 Tagen Abweichung, versuchten diese "heiligen Raubritter" einer Hochkultur wie der Maya, mit ihrem heute noch unübertroffenen perfekten Kalender, Kultur beizubringen. Diese waren in ihrem Rausch so besessen, daß fast alle unwiederbringlichen Kulturschätze und Schriften zerstört wurden.
Es ist allgemein üblich, daß von bekannten und berühmten Wissenschaftlern veröffentlichte Forschungsergebnisse tabu sind und von den nachfolgenden Kollegen nicht angezweifelt werden. Wie ist es sonst zu erklären, daß gegenwärtig noch ein Astronomischer Kalender aus dem Jahre 1581 existiert, der die ablaufenden Tage seit dem 1. Januar 4713 v. Chr. kontinuierlich zählt, nicht um 10 Tage, sondern um 39 Tage daneben ist? Bei einem von Sumer über Maya bis Stonehenge geführten Kalender wäre so etwas undenkbar. Bei diesem im Jahre 1581 von Joseph Justus Scaliger vorgeschlagenen sogenannten Julianischen Periode, (dies hat nichts mit dem Julianischen Kalender zu tun), beginnt die Tageszählung am mittleren Mittag des 1. Januar 4713 v. Chr. Da dem Julianischen Datum einige Umständlichkeiten anhafteten, wurde im Geophysikalischen Jahr 1957/58 das Modifizierte Julianische Datum eingeführt. Zum Nullpunkt der Zählung wurde der 17.November 1858 0h0m0s Weltzeit gewählt. Dieser Zeitpunkt soll identisch mit 2.400.000,5 Tage Julianisches Datum (J.D.) sein. Im Klartext bedeutet es folgendes: Vom 1. Januar 00,00 Uhr 4713 v. Chr. bis zum 31. Dezember 24,00 Uhr 1857 sind genau 6570 Jahre abzüglich ein halber Tag vergangen. Da ein tropisches Jahr immer über exakt 365,24219878 Tage verfügt, diese multipliziert mit den 6.570 Jahren plus die Differenz von 319,5 Tagen (von 1.Januar 00,00 Uhr bis zum 17.November 00,00Uhr 1858), 2.399.960,75 Tage ergeben, entsteht eine Differenz von +39,76 Tagen.
Nun mag man sich fragen, wie kann ein so gewaltiger Fehler im Geophysikalischen Jahr 1957/58 übersehen worden sein? Ausgehend von 2.400.000,5 Tagen würde ein tropisches Jahr eine Länge von 365,2482498 Tagen ergeben. So ein Jahr macht überhaupt keinen Sinn und ist auch astronomisch nicht einzuordnen. Die einzige Erklärung dazu wäre, daß man wie beim Julianischen Kalender alle 4 Jahre den Schalttag zwar berücksichtigt hat, aber nicht wußte, wann die zuviel geschalteten Minuten und Sekunden einen Tag ausmachen. Statt der 128,18 Jahre kam man irgendwie auf 571,3 Jahre.
Karl-Heinz Homann
März, 2008
|
 |