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DER SIRIUS VON DENDERA

SYMBOL ÄGYPTISCHER WEISHEIT ODER GRIECHISCHEN ABERGLAUBENS?

Wie schwierig es ist, Botschaften aus vergangenen Hochkulturen zu entziffern, mag uns das Beispiel des Tierkreises von Dendera verdeutlichen. An diesem berühmten Tierkreis haben sich die Altertumsforscher und Astronomen schon die Zähne ausgebissen und werden es wohl auch noch in Zukunft tun.

Zugegeben, es ist äußerst schwierig, die Symbole und Hieroglyphen neben den 12 Tierkreisbildern zu deuten. Machen wir aber den Versuch, den von den Sumer oder deren Vorgängern entwickelten Tierkreis mit Sirius in Verbindung zu bringen, scheint allmählich die Dämmerung einem aufflackernden Licht zu weichen. Wundern soll man sich nicht, denn die altägyptische Kultur ist seit Anbeginn eng mit dem Isis - Osiris Kult verbunden, so auch der Hathor-Isis Tempel in Dendera. Warum soll hier nicht mit der höchsten Gottheit Isis eine ständige symbolische Verbindung geschaffen worden sein?

Drei unübersehbare Achsen im Tierkreis haben so manche Rätsel aufgegeben. Sie gaben immer wieder Anlaß für Spekulationen. So versuchte man von den Achsen ausgehend, das Alter des Tempels bzw. der Umbauten in verschiedenen Epochen von 4000 v. Chr. bis 50 v. Chr. festzulegen.


Es ist anzunehmen, daß auf dieser zweidimensionalen Scheibe die Draufsicht und Seitenansicht gleichzeitig dargestellt wird. Kippen wir die Scheibe mit den drei Achsen um 90°, weist die untere Achse, die durch den Stern geht, der zwischen den Hörnern der Kuh Hathor dargestellt ist, in der Tat genau auf Sirius. Die Achse, die durch den rechten Zwilling, Falke und die Keule geht, stellt die Äquatorebene unserer Erde dar. Der Winkel zwischen den beiden Achsen beträgt 16 2/3° .

Die obere Achse des Tierkreises, der um 90° gekippten Scheibe, hat gegenüber der Achse, die durch den Falken und die Keule geht, einen Winkel von ca. 26.1°. Dies ist ungefähr der gleiche Winkel, den der abwärts führende Haupteingang der Großen Pyramide von Gizeh hat. Da die Ekliptik der Erde, mit ihren 23,5°, über Jahrtausende sich kaum mehr als ± 0,5° veränderte, dürfte diese mit der erwähnten 26° Achse nichts zu tun haben.
Errechnen wir aber den Mittelwert* aller Planeten (außer Pluto), die in ihrer Bahn gegen der Ekliptik der Erde abweichen und addieren diesen Betrag zu der Erdekliptik, erhalten wir eine mittlere Planetenbahnebene von 26,1°.

* [23,4523° (Ekliptik) + 2,6543° (Durchschnittswert der sieben Planeten)]

Die gegenwärtige Position von Sirius ist 16 2/3° gegenüber dem Himmelsäquator. Der gleiche Winkel ist im Tierkreis von Dendera durch die Position(en) von Sirius markiert. Daraufhin haben die Astronomen und Altertumsforscher, mit ihrem lunisolaren Taumelmodel der Erde, den Zeitpunkt für die Gründung des Zodiaks von Dendera (angeblich um 50 v. Chr.) so geschickt gewählt, daß die Position von Sirius durch ein Verschieben der Sinusfunktion, wunderbar symetrisch in den unteren Teil der Kurve paßt:

Die Eigenbewegung von Sirius wurde hier nicht berücksichtigt, da es bei dieser Diskussion um die absolute Position von Sirius geht, und nicht um die Genauigkeit irgendwelcher astronomischer Datierungsmethoden. Der Deklinations-Ablauf des Sirius stellt somit einen vollständigen Taumelvorgang (Lunisolar Präzession) der Erde, wie man ihn sich fälschlicherweise vorstellt, dar. Die gesamte Periode beträgt nach diesem Model etwa 25800 Jahre. Die Zeitspanne von der negativen- bis zur positiven Amplitude, also für den halben Ablauf, beträgt somit ca. 12900 Jahre. In dieser Zeit hat sich der Äquator der Erde gegenüber der Position der Fixsterne um 2 × 23,5° = 47° verändert.
Um die Position von Sirius - gegenwärtig ca. minus 16,6° unterhalb des Himmelsäquators - mit der gleichen Position im Jahre 50 v. Chr. darzustellen, muß die gesamte Sinuskurve dementsprechend verschoben werden. Dabei würde mit ca. minus 15,8° um 975 n. Chr. Sirius die geringste Deklination haben; seine Kulmination wäre also knapp 1° höher gewesen als heute.

 

Teotihuacán, eine mysteriöse Stadt, liegt ca. 30 km nordwestlich von Mexico City. Wann und von wem sie gebaut wurde ist unbekannt.
Die perfekte Planung bis ins Detail sucht in der heutigen Architektur seinesgleichen. Das Hauptmerkmal dieser Stadt aber ist ganz dem Sonnensystem gewidmet. Im genauen Maßstab sind alle Planeten, einschl. Pluto, und ihre Entfernungen markiert. Die Ausrichtung von 16 2/3° jedoch und auch die "Straße der Toten" lassen erkennen, wem diese "Götterstadt" geweiht war. Die über 4 km lange und 45m breite Straße weist also genauso wie die eine beschriebene Achse vom Tierkreis von Dendera auch auf Sirius. Um den Effekt zu verstärken, hat man ein Gefälle mit einem Höhenunterschied von 27 Meter in Richtung Sirius eingebaut. Nicht nur Teotihuacán, auch alle Maya-Städte haben die Abweichung von 16° bis 17° NO bzw. SW. Warum das so ist, blieb bis heute ein Rätsel.

Wurden demnach Teotihuacán und alle anderen Mayastätten mit ihrer 16 bis 17 Grad Ausrichtung auch um 50 v. Chr. errichtet? Sollten die Erbauer des Tempels von Dendera etwa den Tierkreis auf die heutige Zeit ausgerichtet haben, so wie man den 45° Schacht der Großen Pyramide auf die heutige Zeit ausgerichtet hat, was einige Experten vermuten? Wenn man bedenkt, daß Sirius um 2450 v. Chr. (angebliche Fertigstellung der Großen Pyramide) nach Lunisolar-Präzession einige Grad unterhalb des 45° Schachtes stand, muß man die Erbauer bewundern, daß es ihnen gelungen ist - obwohl sie angeblich keine Ahnung von Präzession hatten (Hipparchus & Newton gab es noch nicht) - ihre Planung so zu gestalten, daß Sirius jetzt für uns ziemlich genau über dem 45° Schacht steht. Warum war es für die Erbauer wichtiger, dieses einmalige Ereignis (bei Lunisolar-Präzession alle 25800 Jahre) in die heutige Zeit zu verlegen als in die damalige? Schade, daß man die Große Pyramide nicht auch auf 50 v. Chr. datieren kann, dann gäbe es das Problem mit dem 45° Schacht nicht.

So wie man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, ist es wahrscheinlich auch mit den vielen Hinweisen auf Sirius. Man erkennt nicht, daß er als Dual unserer Sonne ständig, wie es der Bauplan vorgesehen hat, über dem 45° Schacht der Großen Pyramide stehen muß.

 

Karl-H. Homann

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