
Die "Taumel-Theorie" - Ersatz für das Präzession's & Nutation's Model der IAU?
Nach den Vorstellungen eines angesehenen Astrophysikers soll die Erdachse nicht mehr wie sonst präzessieren, sondern schlicht und einfach nur "taumeln". Das heißt, ein Bezugsmeridian der Erde "wandert" in einem Zyklus von etwa 25800 Jahren nicht mehr um 360° entgegen der Umlaufrichtung der Erde um die Sonne, sondern bleibt ständig (mit jeder vollständigen Rotation der Erde um ihre Achse) auf die Fixsterne im Raum ausgerichtet.
Mit anderen Worten, ob die Erdachse präzessiert, bzw. taumelt (oszilliert) oder nicht, hat laut diesem Experten angeblich keinen Einfluß auf die gemessenen Rotationszeiten des Meridians gegenüber den Fixsternen und der Sonne (mittlerer Sonnentag). Es wird somit fälschlicherweise behauptet, daß die absolute Rotationsperiode der Erde um ihre eigene Achse bei einer nicht-präzessierenden oder raumfesten Achse ca. 9 Millisekunden länger sein soll, als die fundamentale astrodynamische Konstante von 86164.0905382 s (mittlerer siderischer Tag).
Obwohl man weiß, daß selbst geringe Oszillationen und Nutationen der Erdachse meßbare Schwankungen in der täglichen Rotationsperiode der Erde hervorrufen, soll diese physikalische Tatsache für eine Präzessionsbewegung der Achse nicht mehr gültig sein! Will man mit so einem Unsinn noch mehr Verwirrung stiften?
Schauen wir uns den dafür erforderlichen himmelsmechanischen Ablauf einmal ein wenig genauer an, indem wir die nicht rotierende Erde auf der imaginären Linie A-C auf der Stelle taumeln lassen. Der Bezugsmeridian ist dabei ständig zur Sonne "A" und zu dem Bezugs-Stern bzw. Quasar "C" ausgerichtet. Ein Beobachter auf dem Meridian würde eine Positionsveränderung der Sonne, sowie des Bezugs-Sterns, in einem vertikalen Taumel-Zyklus von 47° wahrnehmen.
Lassen wir nun zu diesem Taumelvorgang die Erde um die Sonne wandern. Für diesen 360° Umlauf, d.h. nach dem Durchkreuzen der Linie A-C, ist ein Zeitinterval von exakt einem tropisch-siderischen Jahr abgelaufen. Der Beobachter auf dem Meridian hat den Ausgangspunkt gegenüber Sonne und Bezugs-Stern wieder erreicht. Dabei soll es den Beobachter zunächst nicht kümmern, wie hoch oder tief die Sonne und der Stern für ihn augenblicklich stehen.
Als letztes lassen wir die Erde bei ihrem Umlauf um die Sonne mit ihrer absoluten Rotationszeit um die eigene Achse drehen. Dabei stellen wir fest, daß sich am 360° Umlauf um die Sonne zeitlich gesehen nichts ändert, außer daß Sonne "A" und Stern (Quasar) "C" nach diesem Taumelmodel mal höher oder tiefer stehen. Obwohl der eigentliche Taumelvorgang angeblich keinen Einfluß auf die Rotationsperioden der Erde gegenüber Sonne und Sterne haben soll, entsteht nun, auf Grund der stetigen vertikalen Positionsveränderung der Sonne gegenüber dem Bezugsmeridian, eine Zeitdifferenz von mehr als 3,3 Sekunden pro Tag - allerdings nur gegenüber der Sonne, da nur diese, anders als die Sterne, einen Einfluß auf die Jahreszeiten ausübt!
So eine Zeitdiskrepanz (ca. 20 Minuten pro Jahr) darf aber nicht als symbolisch oder als Winkelmaß angesehen werden, sondern als reale Zeit. Da diese zusätzliche Zeitspannne in der Praxis nicht gemessen wird, existiert sie nur in den Köpfen der Astronomen.
Wie wir wissen, beweisen die Sonnenfinsternis-Zyklen, daß das tropische Jahr von 31556925,9747 s der eigentliche 360° Umlauf der Erde (und somit des Bezugsmeridians) um die Sonne ist. Ein Umlauf der Erde um die Sonne, gemessen gegenüber den Fixsternen oder den Quasaren, ist somit mehr als ein 360° Umlauf. Dies aber bedeutet, daß der Bezugsmeridian nicht wie nach dem alten Lunisolar Model "rückwärts" um die Sonne wandert oder sogar im Raum ausgerichtet bleibt, wie man es jetzt gerne haben möchte, sondern nun "vorwärts" auswandert.
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